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26.01.2017 Von: Rechtsanwälte Dr. Kahl + Dr. Koch + Metz

Presse zu einem außergewöhnlichen Fall mit nicht nachvollziehbarer Gerichtsentscheidung

Mutmaßliche Opfer aus der Nachbarschaft Prozessauftakt: Vater wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt (Pläyoyers u Urteil wohl am 9.2.2017)

DPA Meldung vom20.01.17 03:35

Neu-Isenburg/Darmstadt - Ein 51 Jahre alter Familienvater aus Neu-Isenburg muss sich seit gestern vor dem Landgericht Darmstadt wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern im Vor- und Grundschulalter verantworten.

von Silke Gelhausen-Schüßler

Der Prozessbeginn bringt eine Überraschung, das Urteil soll schon in der kommenden Woche fallen. Die Opfer sollen Mädchen aus der Nachbarschaft gewesen sein, die der Mann auf einem Motorroller zum Hengstbach fuhr. Dort soll er sich in zwei Fällen an den im Wasser planschenden Kindern vergriffen haben. Der bekannte Tatzeitraum erstreckte sich von Mai bis August 2015. Am 29. August soll er einer Sechsjährigen an den Genitalbereich gefasst haben. Am Wasser soll er sie aufgefordert haben, sich auszuziehen und seinen Penis anzufassen. Die Kleine weigerte sich. Darauf soll er selbst ihre Hand genommen und an seinen Penis gedrückt haben. Ein paar Tage zuvor soll ein sehr ähnlicher Tathergang mit einer Siebenjährigen passiert sein. Dabei soll sich das Mädchen selbst das Höschen ein Stück herunter gezogen haben, woraufhin der Angeklagte ihr einen Finger in die Scheide eingeführt haben soll. Gleich zu Beginn der Verhandlung gibt es die erste Überraschung: Der Mann, der seit über einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, ist in vollem Umfang geständig. Der eher unscheinbar wirkende Neu-Isenburger verliest eine schriftlich vorbereitete Erklärung, die sich im Wesentlichen mit der Anklageschrift deckt. Fragen des Gerichts werden jedoch nicht beantwortet. Ungewöhnlich ist die Beichte deshalb, weil der Pädophilie beschuldigte Täter zunächst oft versuchen, alles abzustreiten, sich dabei meist auf die blühende Fantasie der Kinder berufen. Der Isenburger jedoch entschuldigt sich gleich mehrfach bei den Familien der Opfer: „Ich verstehe die Wut der Angehörigen. Ich bin froh, ins Gefängnis gekommen zu sein, weil ich einsehe, dass ich eine Therapie brauche.“ Verteidigungsstrategie oder ehrliche Reue? Irgendwie wirkt das Ganze einstudiert. Im Laufe der Verhandlung stellen sich weitere Fragen. Drei der fünf angeklagten Fälle wurden bereits vor Verhandlungsbeginn nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung eingestellt. Das ist im Grunde nichts Ungewöhnliches, gehört die Teileinstellung bei mehreren Taten wegen Geringfügigkeit vor Gericht schließlich zum Tagesgeschäft. Der Knackpunkt ist im vorliegenden Isenburger Fall allerdings die Gewichtung der Taten. Denn die eingestellten Vorwürfe übertreffen in Schwere und Dauer die noch verbliebenen, was bei den Anwälten der zwei Nebenkläger und den Opfer-Angehörigen gestern für Entsetzen sorgt. Ein Einspruch ist ihnen jedoch verwehrt, denn für den Paragrafen 154 ist kein Beschwerderecht zugelassen. Was die Zweite Strafkammer dazu bewogen hat, diese Entscheidung zu treffen, darüber kann nur spekuliert werden. Nebenklagevertreter Dr. Thorsten Kahl macht aus seiner Ohnmacht keinen Hehl: „Ich vertrete nun seit 30 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch. Ein derartiges Verfahren habe ich noch nicht erlebt!“ Für den Angeklagten geht es um viel – so käme er bei den zwei „nicht so gewichtigen“ Fällen mit wenigen Jahren Haft oder vielleicht sogar Bewährung davon. Würden die anderen drei Fälle „mit verrechnet“, sähe die Sache anders aus: Eine mehrjährige Haftstrafe wäre dann unumgänglich – und Haftverschonung nicht drin. Hier ginge es um sich über mehrere Monate wiederholende Übergriffe, bei denen er unter anderem einer Fünfjährigen seinen Penis in den Mund geführt haben soll. Bei der polizeilichen Vernehmung stellte die Kleine diese Tat sehr authentisch dar: Sie rollte ein Taschentuch zusammen und steckte es sich zwischen die Zähne. 

Frankfurter Rundschau vom 19.1.2017

Am Hengstbach in Neu-Isenburg hat er sein Unwesen getrieben. Wegen seiner pädophilen Neigung musste sich ein 51-jähriger Neu-Isenburger am Donnerstag vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Aus dem Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde schon in den ersten Prozessminuten Gewissheit: In einer selbstverlesenen schriftlichen Erklärung gab der Mann unumwunden zu, zwei Mädchen im Alter von sechs und sieben Jahren im Jahr 2015 unsittlich berührt zu haben. In einem Fall penetrierte er das Mädchen mit dem Finger. Drei weitere, zum Teil noch schwerer wiegende Tatvorwürfe hatte das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft kurzfristig eingestellt. Der Vater eines Sohnes und einer taubstummen Tochter – mittlerweile auch schon Opa – war öfter mit dem Motorroller unterwegs und nahm im Laufe des Sommers 2015 mehrere Kinder aus der Nachbarschaft auf seinem Gefährt mit, trug er in seiner Erklärung vor. Am 29. August 2015 saß ein sechsjähriges Mädchen als Sozia vor ihm auf dem Roller. Auf dem Weg zum Hengstbach habe er bewusst ihre Scham berührt. Am Bachlauf angekommen, forderte er sie auf, sich nackt zu machen, „damit die Kleidung nicht nass wird“; das Mädchen krempelte aber nur die Hosenbeine hoch. Im Anschluss forderte er sie auf, ihn unsittlich zu berühren und drückte ihre Hand auf sein Geschlechtsteil in der Jogginghose. Die Sechsjährige erzählte später ihrer Tante von dem Missbrauch. Einige Wochen vorher – der genaue Tattag ließ sich nicht ermitteln – hatte der Angeklagte am Hengstbach schon die siebenjährige Freundin des Mädchens missbraucht. Sie traf es noch schlimmer: Er forderte sie auf, sich auszuziehen und führte ihr einen Finger ein. Dann öffnete er den Reißverschluss seiner Hose und zwang die Siebenjährige, sein erigiertes Glied in die Hand zu nehmen. Auch an Fünfjähriger vergangen Der Angeklagte, der seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, gab sich in seiner schriftlichen Erklärung reumütig: Er entschuldigte sich bei seinen Opfern und deren Angehörigen. „Ich verstehe die Wut der Angehörigen“, verlas er. Die Eltern der missbrauchten Kinder seien geschockt, erklärte der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Thorsten Kahl aus Bad Nauheim im Gespräch mit der FR. Das Verfahren sei nämlich mit fünf Tatvorwürfen eröffnet und erst zwei Tage vor Prozessbeginn auf zwei Vorfälle beschränkt worden. Opfer in allen drei weiteren Fällen war ein fünfjähriges Mädchen, das den Missbrauch über einige Monate hinweg über sich ergehen lassen musste. Unter anderem habe der Angeklagte sie zum Oralverkehr gezwungen, deutete der Polizist an, der vor Gericht eigentlich zu den Aussagen der beiden anderen Mädchen befragt werden sollte. Als Grund für die Teileinstellung des Verfahrens zitierte Richter Marc Euler nach dem ersten Prozesstag Paragraf 154, Absatz 2 der Strafprozessordnung. Dieser Paragraf regelt, dass einzeln abtrennbare Teile einer Tat, die nicht beträchtlich ins Gewicht fallen, nicht verfolgt werden müssen. So können unübersichtliche Verfahren verschlankt werden. Für Rechtsanwalt Kahl jedoch ist die Teileinstellung ein Skandal. Das sei ihm in den 30 Jahren seiner beruflichen Laufbahn noch nicht vorgekommen, monierte er. Die Gründe, die drei gravierendsten Fälle auszuklammern, seien weder nachvollziehbar noch juristisch erklärbar. „Wir sind von jeglichen Rechtsmitteln ausgeschlossen“, sagte er. „Dieser Paragraf schließt ein Beschwerderecht aus.“


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